Wie aus der Hinfahrt eine Meldung wurde

Frau Wenk PR Volontariat
Nichts geht mehr. Alle aussteigen, bitte!

Es ist 8.10 Uhr und ich sitze im Metronom Richtung Bremen. „Die größte Herausforderung wird es sein, pünktlich im Zug zu sitzen“, habe ich letzte Woche zu meiner Arbeitskollegin Anne gesagt und nicht geahnt, mit welchen Komplikationen sonst noch zu rechnen ist.


Ich habe sogar noch 5 Minuten bis zur Abfahrt! Als wir um 8.24 Uhr mit 9-minütiger Verspätung endlich losrollen, beginne ich mich auf die zwei bevorstehenden Wochen in Bremen zu freuen. Im Rahmen meines Volontariats bei Frau Wenk+++ mache ich ein Praktikum bei der Bild, um Einblicke in den Alltag von Tageszeitungsjournalisten zu bekommen und das Gespür für interessante Themen zu schärfen.

Als ich gerade eingenickt bin, bleibt der Zug plötzlich stehen und per Ansage werden alle Fahrgäste gebeten, auszusteigen, und auf den nächsten Zug zu warten. Ein skurriles Bild entsteht: Mitten im Nirgendwo stehen rund hundert Menschen auf dem Bahnsteig und halten erklärend oder fluchend ihre Handys ans Ohr und vermitteln ihren Gesprächspartnern, dass sie sich verspäten werden. „Kein Problem“, meint Chefredakteur Gerhard Buzzi am anderen Ende der Leitung.

Ich beobachte die Menschen: Außergewöhnliche Situationen bringen Menschen dazu, miteinander zu kommunizieren. Man teilt das gleiche Leid, wirft sich vielsagende Blicke zu, bietet sich Weingummi an und stellt Vermutungen über die Weiterfahrt an. Ein Busfahrer biegt um das winzige Bahnhofsgebäude. „Wer nach Bremen will, der fährt jetzt mit mir nach Rotenburg.“ Einige protestieren, ich folge ihm stumm. 20 Minuten fahren wir vorbei an alten Bauernhöfen, überqueren die Wümme – ich dachte immer, das sei ein Fluss und kein kleiner Bach! – , lassen grünen Wiesen und Wäldern hinter uns und kommen endlich in Rotenburg an. Der Text auf der Anzeigetafel führt zur allgemeinen Empörung: +++DER ZUG FÄLLT AUS+++. Eine Weiterfahrt ist erst in 40 Minuten möglich. Wenigstens kann man hier Kaffee kaufen und eine Angestellte der Bahn erklärt, dass Vandalismus an der Strecke der Grund für die Umstände sei.

Aha, Vandalismus also! Die Blicke wandern von der Uhr bis ans Ende der Schienen, zurück zur Uhr und wieder auf die Schienen. 40 Minuten lang. Bis endlich am Horizont der gelbblaue Metronom erscheint und ohne weitere Hindernisse mit über einer Stunde Verspätung in Bremen einfährt. Statt kurz vor zehn treffe ich also um kurz nach elf Uhr in der Redaktion ein. „Was ist da passiert?“ Chefredakteur Gerhard Buzzi wittert eine Meldung. „Ruf mal bei der Pressestelle der Deutschen Bahn an. Wie viele welche Züge sind betroffen? Seit wann ist das schon so und wie lange dauert das noch? Wie groß ist der Schaden?“ Das Thema meiner ersten Meldung ist klar. Auf geht´s!

Abends auf der Rückfahrt nach Hamburg sehe ich in Scheeßel Arbeiter in gelben Sicherheitswesten auf den Schienen. Sie sind immer noch dabei, die Kabel zu löten …

Mein morgendliches Erlebnis lieferte den Aufhänger für eine Nachricht im Regionalteil der BILD Bremen. Erschienen am Dienstag, den 17. Juli 2012

Verwandte Artikel

Alina Piening ist Junior PR-Beraterin bei Frau Wenk+++. Das Internet bedeutet für sie die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit dem anderen Ende der Welt und dient bei der Arbeit als unermüdlicher Lieferant von Informationen.

Weitere Artikel von Alina Piening

Dies ist ein Service der Agentur Frau Wenk+++ PR & Marketing für die digitale Welt aus Hamburg